Weichlote – Übersicht, Legierungen und Auswahl nach Anwendung

Weichlote verbinden Metalle dauerhaft bei Temperaturen unter 450 °C. Ob Trinkwasserinstallation, Heizungsbau, Elektrotechnik oder Dachtechnik: Die passende Legierung richtet sich nach Grundwerkstoff, Normanforderungen, Schmelzbereich und konkretem Einsatzbereich. Armin Hain bietet bleifreie und bleihaltige Weichlote für industrielle und handwerkliche Anwendungen und unterstützt Sie bei der Auswahl geeigneter Löt- und Verbindungswerkstoffe.

Bleifreie Weichlote – der Standard für Trinkwasser und Heizung

Bleifreie Weichlote sind heute in der Installations- und Haustechnik Standard und überall dort vorgeschrieben, wo Verbindungen mit Trinkwasser in Berührung kommen. Für diese Anwendungen sind ausschließlich DVGW-geprüfte Produkte zulässig. Sn97Cu3 nach DIN EN 9453 gilt dabei als klassische Standardlegierung in der deutschen Installationstechnik.

Weichlote
Legierung  Schmelzbereich  Typische Anwendung 
Sn97Cu3  227-310 °C  Trinkwasser, Heizung, Kupferrohre 
Sn99Cu1  227-310 °C  Trinkwasser, feinere Verbindungen 
Sn96,5Ag3Cu0,5  217-220 °C  Elektronik, Leiterplatten (RoHS) 
Sn99,3Cu0,7  227-310 °C  Allgemeine Installationstechnik 

Der Schmelzpunkt beziehungsweise Schmelzbereich eines Weichlots ist ein zentrales Auswahlkriterium, weil er Verarbeitung, Fließverhalten und Eignung für den jeweiligen Einsatzbereich beeinflusst. Eine Übersicht aller passenden Produkte finden Sie unter bleifreie Weichlote. 

Bleihaltige Weichlote – für Elektrotechnik und Sonderanwendungen

Bleihaltige Weichlote sind für trinkwasserberührende Anwendungen nicht mehr zulässig. In der Elektronik, im Modellbau und in bestimmten Sonderanwendungen kommen sie jedoch weiterhin zum Einsatz, sofern kein RoHS-Gebot greift. Besonders dort, wo definierte Schmelzpunkte, gutes Fließverhalten oder spezielle Verarbeitungseigenschaften gefragt sind, bleibt dieses Weichlot relevant. 

Legierung  Schmelzbereich  Typische Anwendung 
Sn60Pb40  183-190 °C  Elektronik, Leiterplatten (nicht RoHS) 
Sn63Pb37  183 °C (Eutektikum)  Präzisionslöten, Elektronik 
Sn50Pb50  183-215 °C  Klempnertechnik, Dachtechnik 
Sn40Pb60  183-235 °C  Dachtechnik, Klempnerarbeiten 

Das vollständige Sortiment finden Sie unter bleihaltige Weichlote. 

Weichlote nach Anwendungsbereich

Installationstechnik (Trinkwasser und Heizung)

Trinkwasserleitungen und Heizungsrohre aus Kupfer werden mit bleifreien, DVGW-zugelassenen Weichloten nach DIN EN 9453 verbunden. Das Lot muss auf die Betriebstemperatur, den Grundwerkstoff und die Anforderungen der jeweiligen Installation abgestimmt sein. 

Detaillierte Informationen zu zugelassenen Produkten, Normen und Verarbeitung finden Sie im Bereich Weichlote für Installationstechnik. 

  • Grundwerkstoff: Kupfer sowie Rotguss- und Messingfittings. 
  • Empfohlene Legierung: Sn97Cu3 
  • Norm: DIN EN 9453, DVGW-Zulassung erforderlich 
  • Flussmittel: Lötwasser oder Lötpaste – Rückstände nach dem Löten vollständig entfernen 

Für eine prozesssichere Verbindung ist nicht nur das passende Weichlot wichtig, sondern auch das richtige Flussmittel. Es unterstützt die Benetzung der Oberfläche und trägt zu gleichmäßigen, sauberen Lötverbindungen bei. 

Elektrotechnik und Elektronik

Für das Löten auf Platinen und Leitungsverbindungen kommen niedrigschmelzende Weichlote mit engen Schmelzbereichen zum Einsatz. In RoHS-pflichtigen Anwendungen sind ausschließlich bleifreie Legierungen zulässig. 

  • Grundwerkstoff: Kupfer, verzinntes Kupfer, Leiterbahnen 
  • Bleifreie Empfehlung: Sn96,5Ag3Cu0,5 (SAC305) 
  • Bleihaltige Option: Sn63Pb37 (Eutektikum, schnelles Erstarren) 
  • Flussmittel: Typ abhängig von der Löttechnik wie Wellen-, Reflow- oder Handlöten 

Dachtechnik und Klempnerarbeiten

Kupferbleche, Zinkbleche und Dachrinnen werden traditionell mit blei- oder zinnreichen Weichloten verbunden. Der Schmelzbereich muss zur Wärmezufuhr durch Lötkolben oder Flamme passen. 

  • Grundwerkstoff: Kupfer, Zink, verzinntes Eisenblech 
  • Empfohlene Legierungen: Sn50Pb50, Sn40Pb60 
  • Besonderheit: Breiter Schmelzbereich erlaubt gezieltes Wischen der Lötstelle 

Lotpasten

Je nach Verfahren und Anwendung können auch Lotpasten die passende Lösung sein, etwa wenn eine gleichmäßige Dosierung und reproduzierbare Prozesse gefordert sind. 

Normen und Zulassungen

Normen und Zulassungen sind bei der Auswahl von Weichloten entscheidend, insbesondere in regulierten Bereichen wie Trinkwasserinstallation und Elektronik. 

Norm / Zulassung  Bedeutung 
DIN EN ISO 9453  Weichlote – chemische Zusammensetzung und Lieferformen 
DVGW-Zulassung  Pflicht für Trinkwasserinstallationen in Deutschland 
RoHS-Richtlinie  Verbot bleihaltiger Lote in Elektro- und Elektronikgeräten 
DIN EN 9453  Technische Anforderungen an bleifreie Weichlote 

Technische Datenblätter zu allen Weichloten stehen im Bereich Technische Datenblätter zum Download bereit. 

Weichlot oder Hartlot – was brauchen Sie?

Weichlote schmelzen unter 450 °C und eignen sich für Trinkwasser, Heizung und Elektronik. Für druckbelastete Gasleitungen, mechanisch hochbeanspruchte Verbindungen oder Betriebstemperaturen über 150 °C ist Hartlöten die richtige Wahl. 

Eine vollständige Übersicht finden Sie bei den Hartloten. 

Wer zunächst verstehen möchte, wie Kupfer weichgelötet wird, findet die Schritt-für-Schritt-Anleitung im Beitrag Kann man Kupfer weichlöten?

Beratung und Auswahl

Nicht sicher, welches Weichlot zu Ihrer Anwendung passt?  

Armin Hain unterstützt Sie bei der Auswahl der passenden Legierung, der Einordnung relevanter Normen, der Abstimmung geeigneter Flussmittel und der Bewertung Ihrer Verarbeitungstechnik. Auch bei Sonderanforderungen, individuellen Löt- und Verbindungswerkstoffen oder Lohnanfertigungen erhalten Sie fachkundige Beratung. 

Nutzen Sie den Lot-Konfigurator oder nehmen Sie direkt Kontakt auf, wenn Sie eine technische Einschätzung, ein geeignetes Weichlot oder eine individuelle Lösung für Ihre Anwendung benötigen. 

Häufige Fragen zu Weichloten

Welches Weichlot ist für Trinkwasserleitungen zugelassen? 

Für Trinkwasserleitungen sind ausschließlich DVGW-zugelassene, bleifreie Weichlote zulässig. In vielen Anwendungen ist Sn97Cu3 die gängige Standardlegierung. 

Worin unterscheiden sich bleifreie und bleihaltige Weichlote? 

Bleifreie Weichlote werden vor allem in Trinkwasserinstallation, Heizung und RoHS-pflichtigen Elektronikanwendungen eingesetzt. Bleihaltige Weichlote kommen überwiegend in Sonderanwendungen, in der klassischen Elektronik oder in der Dachtechnik zum Einsatz, sofern die jeweiligen Vorschriften dies zulassen.

Ab welcher Temperatur schmelzen Weichlote? 

Weichlote schmelzen grundsätzlich unter 450 °C. Der genaue Schmelzpunkt beziehungsweise Schmelzbereich hängt von der jeweiligen Legierung ab. 

Wann wird Weichlot statt Hartlot verwendet? 

Weichlot eignet sich für Anwendungen mit geringerer thermischer Belastung, etwa in Trinkwasser-, Heizungs- oder Elektronikanwendungen. Hartlot wird eingesetzt, wenn höhere mechanische Belastbarkeit, höhere Temperaturen oder besondere Anforderungen an die Verbindung bestehen.